Ostschweizer Medienpreis

Ausgezeichnet mit dem Ostschweizer Medienpreis 2019 (von links): Roman Hertler, Marcel Elsener, Michael Genova, Regula Weik, Odilia Hiller und Andri Rostetter vom St. Galler Tagblatt.

(Bild: Marco Hartmann)

Team vom St. Galler Tagblatt mit Ostschweizer Medienpreis Ausgezeichnet

Die hartnäckigen Recherchen von sechs Redaktorinnen und Redaktoren des St. Galler Tagblatts rund um die Verfehlungen an der HSG wurden heute mit dem mit 10’000 Franken dotierten Ostschweizer Medienpreis ausgezeichnet.

«Die inhaltliche und gesellschaftliche Relevanz der Artikelserie ist für die Ostschweiz und weit darüber hinaus beispielhaft», lobt die preissprechende Jury des Ostschweizer Medienpreises die monatelange Berichterstattung rund um die verschiedenen Affären an der Universität St. Gallen. Odilia Hiller, Andri Rostetter, Michael Genova, Regula Weik, Marcel Elsener und Roman Hertler haben mit detaillierten Recherchen, präzisen Berichten, vielfältigen Analysen und leichtfüssigen Kommentaren gegen den grossen Widerstand der betroffenen Institutionen dargestellt, was an der HSG ablief.

«Das Team hat sich in keinem Moment beirren lassen, die Journalistinnen und Journalisten haben ihre Kernkompetenz wahrgenommen und ihre Rolle als ‹vierte Gewalt› konsequent gespielt. Dafür gebührt dem Team grosse Anerkennung», hält die Jury fest.

Nominiert für den zweistufig jurierten Ostschweizer Medienpreis waren auch Beiträge von Jörg Krummenacher in der NZZ, vom Simon Lechmann auf verschiedenen Kanälen der Südostschweiz und von Jean François Tanda in der Sendung Eco von Fernsehen SRF.

Radio- und Fernsehpreis an Urs Fitze
Der Ostschweizer Medienpreis wurde erneut gemeinsam mit dem Radio- und Fernsehpreis der Ostschweiz verliehen. Mit diesem von der SRG Ostschweiz im Auftrag der Kantone Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Graubünden, St. Gallen und Thurgau vergeben Preis wurde Urs Fitze, Leiter Fiktion Radio und Fernsehen SRF, ausgezeichnet. Fitze ist in Bischofszell TG aufgewachsen. Unter seiner Leitung entstanden unter anderem für Produktionen wie «Die göttliche Ordnung», Der Bestatter» oder auch «Die Akte Grüninger».

Stefanie Hablützel mit
Ostschweizer Medienpreis ausgezeichnet

Drei Journalisten und ein Team wurden als mögliche Sieger des Ostschweizer Medienpreises 2019 nominiert. Die mit 10’000 Franken dotierte Auszeichnung wird am 11. Dezember an einem gemeinsamen Anlass mit dem Preis der SRG Ostschweiz verliehen.

Der neue Ostschweizer Medienpreis wird zweistufig juriert. Eine erste Jury hat aus den gut 50 eingereichten Arbeiten aus dem Jahr 2018 die besten Beiträge ausgewählt. Eine zweite Jury wird nun aus diesen Nominationen den Sieger, die Siegerin oder das Siegerteam des Ostschweizer Medienpreises 2019 küren und anlässlich der Preisverleihung bekannt geben.

Nominiert wurden folgende Beitrage (Reihenfolge alphabetisch):

Jörg Krummenacher, NZZ, Fall Hefenhofen

Nach dem medialen Aufschrei 2017 über den «Pferdequäler von Hefenhofen», lieferte der Autor drei Tage vor dem Urteil die akribische Auswertung des ganzen Falls in drei Teilen. Erzählerisch packend und detailreich wird der komplexeste und umfassendsten Tierschutzfall der Schweiz aufgearbeitet. Der Autor hat dafür gut 50 Gerichtsurteile zur Causa Hefenhofen ausgewertet und bietet eine ausgewogene, kritische Bewertung des ganzen Falls aus verschiedenen Perspektiven.

Simon Lechmann, Südostschweiz, Flugzeugunglück «Tante Ju»

Der Autor hat eine neue Erzählform für Online, ein reines Audioformat, unterlegt mit Drohnenaufnahmen, gewählt: Ein mutiger und konsequenter Verzicht auf Bildmaterial der Protagonisten. Das ist zuerst gewöhnungsbedürftig, dann beginnt man besser zuzuhören. Das Erzählte wirkt emotionaler durch den persönlichen Zugang des Autors, gemischt mit O-Tönen vieler Beteiligter der Rettungsaktion. Die Arbeit ist Aufarbeitung und historisches Dokument in einem.

Jean Francoise Tanda, SRF Eco, Finanzen Remo Stoffel

An der undurchsichtigen Vermögenssituation des Bündner Investors Remo Stoffel haben sich schon einige Journalisten die Zähne ausgebissen. Nun will er das höchste Hochhaus Europas in Vals bauen. Dem Autor gelingt es, ziemlich viel Licht in dieses Dunkel zu bringen und auch für Laien zu erklären, wie Stoffel aus nichts Millionen macht – oder zumindest angibt, welche zu haben. Der Autor hat sich mit Stoffel einen mächtigen «Gegner» ausgesucht, einen von dem andere die Finger lassen. Die Recherchen, die Zahlen, müssen bis ins Detail sitzen, sonst drohen juristische Konsequenzen. Gut gemachter Wirtschaftsjournalismus.

Team St. Galler Tagblatt, St. Galler Tagblatt, HSG-Skandale

Marcel Elsener, Michael Genova, Roman Hertler, Odilia Hiller, Andri Rostetter, Regula Weik

Konsequente, kritische und zeitnahe Berichterstattung über die Verfehlungen der HSG über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Wobei der Spesenskandal und mit ihm die Thematik der Nebenämter, die gestifteten Lehrstühle und die Unabhängigkeit der Lehre im Fokus standen. Mit eigenen Recherchen, Interviews, Kommentaren, Info-Grafiken und etwa der Veröffentlichung der Nebentätigkeiten aller Professoren wurde das Thema vielfältig bearbeitet. Die Berichterstattung hat eine hohe Relevanz und erfüllt den Anspruch an eine journalistische Kernkompetenz: Die Kontrolle von Regierung und Institutionen. Die Vorgänge an der HSG zeitigten inzwischen Konsequenzen: Es gibt ein neues Reglement für die Nebentätigkeiten der Dozenten, eine Gesetzesrevision der Regierung beantragt mehr Transparenz beim Sponsoring, und der Rektor muss künftig gänzlich auf Nebenämter verzichten.

Öffentliche Preisverleihung

Der Ostschweizer Medienpreis wird am Mittwoch, 11. Dezember 2019 um 19.00 Uhr im Pfalzkeller in St. Gallen gemeinsam mit dem Radio- und Fernsehpreis der SRG Ostschweiz verliehen.

2018 fand erstmals eine gemeinsame Preisverleihung statt. Die bisherigen Kategorien des Ostschweizer Medienpreises wurden abgeschafft, es wurde ein deutlich aufgewerteter Preis verliehen: Stefanie Hablützel wurde für eine Justiz-Recherche in der Publikation «Die Zeit» ausgezeichnet. Die SRG Ostschweiz zeichnete ihrerseits an diesem Abend SRF-Nahost-Korrespondent Pascal Weber mit dem Radio- und Fernsehpreis der Ostschweiz aus.

Preisträgerinnen und Preisträger 2018 (von links): Maria Lorenzetti, Jörg Krummenacher (beide Anerkennungspreis), Stefanie Hablützel (Ostschweizer Medienpreis), Pascal Weber (Radio- und Fernsehpreis der SRG Ostschweiz), Conradin Knabenhans und Andri Rostetter (beide Anerkennungspreis).

(Bild: Riccardo Götz)

Stefanie Hablützel mit
Ostschweizer Medienpreis ausgezeichnet

Der Ostschweizer Medienpreis wurde am 13.Dezember erstmals nach neuem Modus ausgerichtet. Stefanie Hablützel wurde für eine Justiz-Recherche in «Die Zeit» mit dem mit 10’000 Franken dotierte Preis ausgezeichnet. Die «Medienvereinigung Öffentlichkeitsgesetz St. Gallen» wurde mit dem Anerkennungspreis geehrt.

Der Ostschweizer Medienpreis 2018 geht an eine Justizrecherche, «die tief in den Filz der Bündner Behörden eindringt», wie die Jury die Auszeichnung begründet. Stefanie Hablützel hatte schon als Redaktorin des Regionaljournals Graubünden von Radio SRF über den Fall berichtet, dann aber ihre weiteren Recherchen über die komplexe Geschichte mit fünf Gerichtsentscheiden in einem Zeitraum von neun Jahren zu einem grossen Artikel in der Wochenzeitung «Die Zeit» verdichtet. Im Text «Mit 100 Stundenkilometern ins Unglück» beschreibt Stefanie Hablützel nicht den Unfall eines Skeleton-Piloten auf dem St. Moritzer Cresta-Run, sondern die Arbeit der Bündner Justiz: «Die Journalistin deckt einen eigentlichen Justizskandal auf», hält die Jury fest, «Sie zeigt auf, dass in diesem Fall durch die Nähe von Wirtschaft und Justiz die Rechtsstaatlichkeit aufgehoben wird und wie wichtig es ist, dass nicht nur einheimische Richter Recht sprechen, sondern auch Fremde.»

Nominiert für den neu zweistufig jurierten Ostschweizer Medienpreis waren auch Beiträge von Raya Badraun in der Ostschweiz am Sonntag, von Roman Hertler im St. Galler Tagblatt, von Patricia Loher, Christian Brägger und Ralf Streule im St. Galler Tagblatt sowie das Engadiner Magazin Piz mit einer gesamten Ausgabe.

Anerkennungspreis für einmaligen Zusammenschluss

Mit einem Anerkennungspreis würdigt die Jury die «Medienvereinigung Öffentlichkeitsgesetz St. Gallen», vertreten durch Conradin Knabenhans (Zürichsee-Zeitung), Andri Rostetter (St. Galler Tagblatt), Jörg Krummenacher (NZZ) und Maria Lorenzetti (Regionaljournal Ostschweiz Radio SRF). Sämtliche St. Galler Medien haben gemeinsam Druck aufgebaut, um unter Berufung auf das Öffentlichkeitsgesetz die Löhne aller 77 St. Galler Gemeindepräsidenten publik zu machen. Etliche Gemeinderäte wollten anfänglich diese Angaben unter dem Deckel behalten. Die Jury lobt diesen «einmaligen Zusammenschluss», weil so dem Öffentlichkeitsgesetz Beachtung verliehen wurde, was «gerade für die Demokratie von zentraler Bedeutung ist.»

Radio- und Fernsehpreis an Pascal Weber

Der neu ausgerichtete Ostschweizer Medienpreis wurde dieses Jahr erstmals gemeinsam mit dem Radio- und Fernsehpreis der Ostschweiz verliehen. Mit diesem von der SRG Ostschweiz im Auftrag der Kantone Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Graubünden, St. Gallen und Thurgau vergeben Preis wurde Pascal Weber, Nahostkorrespondent von Fernsehen SRF, ausgezeichnet. Der in Eschenbach und Ernetschwil aufgewachsene Journalist berichtet seit 2010 von diesem Brennpunkt der Weltpolitik, er wohnt heute in Beirut.

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